Zeitschichten: The Watson's Hotel

Zeit in Schichten

Die Ausstellung „Zeitschichten: The Watson’s Hotel“ beleuchtet die wechselvolle Geschichte eines architektonischen Meilensteins in Mumbai. Das 1864 errichtete Gebäude gilt als das erste gusseiserne Fertigteilhaus in Indien und ist untrennbar mit der Geburtsstunde des Kinos verbunden, da hier die Brüder Lumière im Jahr 1896 ihre erste Filmvorführung in Indien abhielten. Heute ist das Bauwerk jedoch Schauplatz eines dramatischen Überlebenskampfes zwischen historischem Erbe und urbanem Verfall.

 

Die filmische Dokumentation „The Watson’s Hotel“, die Ragunath Vasudevan 2018 gemeinsam mit Nathaniel Knop und Peter Rippl realisierte, markierte den Beginn einer intensiven Auseinandersetzung mit dem Schicksal des Hauses und seiner Bewohner. Nachdem das Gebäude 2019 geräumt worden war und die Bewohner ihr Zuhause verloren hatten, ordnete ein Gericht im Jahr 2021 aufgrund angeblicher Einsturzgefahr den Abriss an. Doch durch den Einfluss des Films und das unermüdliche Engagement von Aktivisten und Architekten konnte ein unabhängiges Gutachten belegen, dass die Grundstruktur des Hauses trotz zahlreicher illegaler Einbauten stabil geblieben war. Dieser Einsatz führte schließlich dazu, dass das Gericht 2022 die originalgetreue Restaurierung des Gebäudes anordnete.

 

Seit der Räumung im Jahr 2019 hat Ragunath Vasudevan die Fassade des Hauses kontinuierlich fotografisch dokumentiert. Die in dieser Ausstellung gezeigten Arbeiten sind Zeit-Kollagen, die Aufnahmen aus den Jahren 2019, 2024 und 2026 ineinanderfließen lassen. Durch die präzise Überlagerung verschiedener Zustände auf einem festen Grundraster der Ansicht des Hauses verschmelzen die feinen Linien der ursprünglichen Architektur mit den harten Gittern moderner Baugerüste und Schutznetze. Diese visuellen Verschmelzungen machen die langsame Verwandlung und das schrittweise Abtragen der Spuren jahrzehntelanger Vernachlässigung für den Betrachter unmittelbar erlebbar.

 

Wie eine Staubschicht, die behutsam weggewischt wird, legen die Arbeiten die verborgene Schönheit des Hauses unter den Schichten der Gegenwart frei – von den filigranen Fensterfronten bis hin zu den bürokratischen „NOTICE“-Schildern am Bauzaun. Die Serie integriert zudem Fragmente des heutigen Stadtlebens, wie die leuchtend blauen Planen oder das markante Gelb der vorbeifahrenden Taxis, in das historische Raster. Damit versteht sich die Ausstellung als Hommage an die Widerstandsfähigkeit der Struktur und als hoffnungsvoller Ausblick auf eine nahe Zukunft, in der das Watson’s Hotel zu seiner ursprünglichen Pracht zurückkehren wird.

Die Ausstellung fand im "Kutscherhaus", AtelierFrankfurt vom 20. März 2026 bis 30. April 2026 statt.

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