Broken Glass
Fragile Ordnungen – Die Ästhetik des Zerbrechens
Zerbrochenes Glas wird hier zum Medium einer anderen Sichtweise. Die feinen, chaotischen Rissstrukturen bilden ein komplexes Geflecht aus Linien, Fragmenten und Lichtbrechungen, das den Blick auf die Welt dahinter nicht nur verzerrt, sondern neu interpretiert.
Was vordergründig wie Zerstörung wirkt, entpuppt sich bei näherer Betrachtung als poetisches System aus Zufall und Struktur. Die Bruchlinien, mal haarfein, mal eruptiv, erzeugen Muster, die zwischen Transparenz und Opazität schweben – visuelle Spannungsfelder zwischen Ordnung und Chaos.
Durch Perspektivwechsel und den gezielten Einsatz von Licht entstehen abstrakte Kompositionen, in denen das Glas selbst zur Landschaft wird – voller Tiefe, Rhythmus und Bewegung. Das Motiv ist nicht mehr nur Träger einer Zerstörung, sondern Ausgangspunkt für neue Wahrnehmung: ein Fenster, das nicht mehr durchlässt, sondern denkt.
Die Arbeiten laden dazu ein, Fragmente nicht als Reste, sondern als Möglichkeit zu sehen – als Bruchstücke einer Wirklichkeit, die sich erst im Unvollständigen entfaltet. Was sichtbar wird, ist nicht das Dahinter, sondern das Dazwischen. Ein Blick in eine fragile Ordnung, die zugleich offen, verletzlich und von eigentümlicher Schönheit ist.